Handwerk mit Zukunft: 32 Nachwuchskräfte in Bad Windsheim freigesprochen Gesellenfreisprechungsfeier würdigt erfolgreiche Ausbildungsabschlüsse, besondere Prüfungsleistungen und jahrzehntelanges Enga
Bad Windsheim. Bei der Gesellenfreisprechungsfeier am Freitag im Hotel Reichsstadt in Bad Windsheim wurden 32 Junghandwerkerinnen und Junghandwerker aus der Region offiziell aus ihrem Ausbildungsverhältnis freigesprochen.
Stellvertretender Kreishandwerksmeister Georg Gerhäuser begrüßte die Absolventinnen und Absolventen, ihre Familien, die Ausbildungsbetriebe sowie Vertreter der Handwerksorganisationen und Berufsschulen. Nach drei beziehungsweise dreieinhalb Jahren Ausbildungszeit hätten die jungen Menschen einen wichtigen Meilenstein erreicht. Aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern seien qualifizierte und motivierte Fachkräfte mit guten Zukunftsperspektiven geworden.
In seiner Ansprache lobte Christian Sendelbeck, Vizepräsident der Handwerkskammer für Mittelfranken: „Ihr habt tolles geleistet! Lasst Euch heute einfach mal feiern!“ Mit der absolvierten dualen Ausbildung hätten alle Absolventen ein sehr gutes Fundament für ihr eigenes Lebenshaus gelegt. Gerade die in jenem System vermittelte Kombination von Praxis und Theorie sei im Handwerk schon immer „überlebenswichtig“ gewesen: „Wir sind Hand- und Kopf-Arbeiter!“ wie Sendelbeck unterstrich. Auch einen weiteren Balanceakt gelte es zu vollziehen: Jenem zwischen der Bewahrung der Tradition und dem Umgang mit modernen Techniken. Was die neuen Junggehilfen auch alle beherzigten. Die Ausbilder hätten ihnen „in wirtschaftlich turbulenter Zeit neue Chancen eröffnet“, würdigte der Vizepräsident auch jene Verdienste. Nun heiße es sich den gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, wofür die Gesellen bestens gerüstet seien: Ob bei der Wärmewende oder bei der Sicherung der heimischen Lebensmittelversorgung – überall sei das Handwerk an erster Stelle gefragt.
„Arbeit hinterlässt Spuren“
In ihrem Grußwort stellte Studiendirektorin Christina Müller die besondere Bedeutung des Handwerks heraus. Das Schöne am Handwerk sei, dass am Ende sichtbar werde, was man geschaffen habe: eine fertige Mauer, eine gebaute Straße, eine gelungene Fassade oder eine funktionierende Heizungsanlage. Ebenso gehörten die Zufriedenheit eines Kunden im Friseursalon und die fachkundige Beratung an der Fleischertheke zum vielfältigen Leistungsspektrum des Handwerks, so die Schulleiterin.
Hinter diesen Ergebnissen steckten häufig viele Arbeitsschritte, sorgfältige Planung, Übung und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Handwerkliches Können bedeute deshalb weit mehr als die reine Ausführung einer Tätigkeit. Entscheidend sei auch, für die eigene Arbeit einzustehen und Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen.
Ihre Wünsche für die Zukunft fasste sie in einem Gedanken zusammen: Die jungen Handwerkerinnen und Handwerker sollten später mit Stolz auf ihre Arbeit zurückblicken können – nicht, weil immer alles perfekt gewesen sei, sondern weil sie sorgfältig gearbeitet und zu ihrem Ergebnis gestanden hätten.
Bei der anschließenden von Geschäftsführer Sebastian Dörr moderierten Urkundenübergabe, händigten die Innungsobermeister zusammen mit Vizepräsident Chistian Sendelbeck die Prüfungszeugnisse, Gesellenbriefe und Ehrenurkunden aus.
Ein Höhepunkt der Urkundenübergabe war die Ehrung von Kevin Kilian aus Vestenbergsgreuth. Im Rahmen eines dualen Studiums legte er seine Gesellenprüfung im Stuckateurhandwerk ab und schloss anschließend sein Studium im Bauingenieurwesen erfolgreich ab. Darüber hinaus gewann Kilian den Leistungswettbewerb im Handwerk auf Bezirks-, bayerischer und Bundesebene. Nun setzte er seinen erfolgreichen Weg fort und bestand zusätzlich die Meisterprüfung im Stuckateurhandwerk.
Auch weitere Nachwuchskräfte wurden für besondere Leistungen ausgezeichnet. Paul Kreißelmeyer von der Heinrich Täufer GmbH in Bad Windsheim-Ickelheim war Innungsbester im Stuckateurhandwerk und erreichte den ersten Platz bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk auf mittelfränkischer Ebene und Landesebene. Bastian Braun von der Andreas Rückert GmbH & Co. KG in Dietersheim-Dottenheim überzeugte im Klempnerhandwerk und erreichte ebenfalls den ersten Platz bei der Deutschen Meisterschaft im Handwerk auf mittelfränkischer Ebene. Verena Seidel, die ihre Ausbildung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk mit Schwerpunkt Fleischerei bei Martin Wehr in Wilhelmsdorf absolvierte, war ebenfalls Prüfungsbeste sowie Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Michael Leopold, Fa. Stierhof, Bad Windsheim.
Goldene Meisterbriefe für jahrzehntelange Erfahrung
Neben dem Nachwuchs standen erfahrene Handwerkerinnen und Handwerker im Mittelpunkt. Die Verleihung der Goldenen Meisterbriefe würdigte langjährige berufliche Tätigkeit und Engagement für das Handwerk.
Im Baugewerbe erhielten Friedrich Eckenbrecht von der Firma Rohr Bau in Emskirchen und Reiner Jakob von der Firma Jakob Bau in Uehlfeld-Rothensaas die Auszeichnung für ihre 35-jährige Tätigkeit als Meister, Techniker oder Ingenieur.
Im Friseurhandwerk wurde Birgit Knörr aus Neustadt an der Aisch mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. Im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikhandwerk erhielten Walter Bilke aus Ermetzhofen und Manfred Güllich aus Neuhof an der Zenn die besondere Auszeichnung.
Treue und Einsatz über viele Jahre
Auch die langjährige Verbundenheit von Beschäftigten mit ihren Betrieben wurde gewürdigt. Bei der Kilian GmbH in Vestenbergsgreuth wurde Norbert Stark für zehnjährige Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet.
Bei der Firma Schrödl in Diespeck erhielten Gerlinde Thomas für zehn Jahre und Michael Staude für 25 Jahre Betriebszugehörigkeit eine Ehrung.
Bei der Firma Dienstbier in Losaurach wurden Florian Reiß für zehn Jahre, Christopher Kammerer für 25 Jahre sowie Jürgen Kursawe und Rainer Raab für jeweils 40 Jahre ausgezeichnet. Wilfried Frühwald wurde für 51 Jahre und Heinz Böhm für 54 Jahre Betriebszugehörigkeit geehrt.
Gemeinsam für qualifizierten Nachwuchs
In seinem Schlusswort machte Georg Gerhäuser deutlich, wie eng Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen, Innungen, Prüfungsausschüsse und Handwerkskammer zusammenarbeiten, um qualifizierten Nachwuchs auszubilden. Besonderer Dank galt den ehrenamtlichen Meister- und Gesellenbeisitzern, die mit ihrem Einsatz die Prüfungen ermöglichen und einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten.
Zum feierlichen Höhepunkt geriet schließlich der „Ritterschlag“ für die Junghandwerker. Nämlich jener Augenblick, als Gerhäuser sie nach alter Sitte von der Bindung der Lehrverhältnisse freisprach und sie dazu aufstehen und wieder Platz nehmen ließ: „Als Lehrlinge habt Ihr Euch erhoben – als Gesellen dürft Ihr Euch nun wieder setzen!“
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